Schematherapie

Die Schematherapie ist eine noch relativ neue Therapieform, die sich aus der kognitiven Verhaltenstherapie entwickelt hat. Die Schematherapie geht davon aus, dass Menschen im Verlauf ihres Lebens Muster (Schemata) bestehend aus Gedanken, Gefühlen, Verhalten und Körperempfindung erwerben, die weitgehend die persönliche „Sicht der Welt“ bestimmen und das Verhalten – vor allem in sozialen Beziehungen – gestalten. Diese Schemata sind neurophysiologisch als Netzwerk im Gehirn verankert und beeinflussen – positiv wie negativ – unser gesamtes Leben. Dies geschieht in der Regel „automatisch“, d.h. ohne bewusste Absicht. Wenn wir uns z.B. fragen warum wir sehr starke Gefühle empfinden, was andere in der vorliegenden Situation nicht nachvollziehen können, wir uns immer wieder zurückziehen, bzw. in Beziehungen schnell „ausrasten“, obwohl wir das eigentlich gar nicht wollen, können wir davon ausgehen, dass dies durch solche automatisierte Schemata beeinflusst ist.

Nach Young beeinflussen die im Kontext der Kindheit entstandenen Muster das gesamte Leben – positiv wie negativ – auch weil die gemachten Erfahrungen und ihre Auswirkungen im Gehirn (neurobiologisch) verankert sind. Jeder Mensch kennt Unsicherheiten, Ängste oder auch Selbstzweifel – das ist normal. Wenn diese Art der Gefühle jedoch fast immer präsent ist und unser Leben überschatten, dann haben wir es mit hinderlichen Schemata, oder auch „Lebensfallen“ zu tun. Als Lebensfallen bezeichnet Young negative Muster, die in der Kindheit entstehen und sich wie ein roter Faden durch das Leben des Menschen ziehen.

Die Schematherapie ist eine Mischung aus Theorien und Techniken verschiedener Therapiemethoden ( kognitiver Verhaltenstherapie, Gestalttherapie, tiefenpsychologischen und imanigativen Ansätzen). Schematherapeutisches Vorgehen schlägt eine Brücke zwischen persönlichen Problemen in der Gegenwart und deren Entstehung in der Vergangenheit.

In der Therapie wird versucht diejenigen Schemata (auch sog. „Lebensfallen“) zu verstehen und auf verständliche Weise darzustellen, die die Ursache für lang anhaltende emotionale Schwierigkeiten sind. Diese Erlebens- bzw. Verhaltensweisen (z. B. sich völlig zurückzuziehen, weil man sich ungeliebt fühlt oder völlig ausrasten) können in der Kindheit und Jugend durchaus sinnvolle Reaktionen auf die damals vorherrschenden Lebensbedingungen gewesen sein. Sie werden jedoch problematisch, wenn sie ein fester Bestandteil des persönlichen Verhaltensrepertoires geworden sind und automatisch auch heute noch angewandt werden, selbst wenn sich die Lebensbedingungen verändert haben. Sie begleiten in belastender Art und Weise den gesamten Lebensweg wie ein „roter Faden“. Ziel eines schematherapeutischen Vorgehens ist es, den kontextuellen Ursprung solcher Muster zu erkennen, ihre Wirkung auf die aktuelle Lebensgestaltung zu verstehen und sie dann lösungsorientiert verändern zu können.

Das schematherapeutische Moduskonzept lässt sich in der Arbeit mit Kinder und Jugendlichen sehr gut anwenden gerade dank zahlreichen gestalttherapeutischen Techniken. (Loose/Graaf/Zarbock 2013)

Hier sehen Sie ein zweijähriges Therapieergebnis von einer 21jährigen Patientin mit der Diagnose Bulimie.

Bild 1 – war Ausgangsituation: – die Patientin kam wegen stark ausgeprägter Essstörung und depressiver Verstimmungen. Aufgrund ihres mangelnden Selbstwertgefühls und höher Erwartungen an sich selbst, hat die Pat. sich nicht getraut Ihre Grenzen insbesondere ihrem Arbeitgeber deutlich zu zeigen, was zu ihrem Erschöpfungszustand und zusätzlich einer unbefriedigenden privaten Situation mit ihrem Partner geführt hat.

Abb. Schematherapie-IST
 

Bild 2 – stellt nach zwei Jahren das erfolgreiche Therapieergebnis dar. Auf dem ersten Blick sehen Sie, dass das Bild 2 deutlich inhaltlich voller als das Bild 1 ist. Das sind die von der Patientin erkannten und dazu gewonnenen Ressourcen, mit denen Sie jetzt in der Lage ist erfolgreich und stabil ihr Leben zu meistern.